Tagebuch

(Blog = Online Tagebuch)

Ein Sommer-Wochenende im Alter von 63 Jahren

Man sucht nicht mehr nach dem „Non plus ultra“ und setzt sich mehr mit dem auseinander, was möglich ist.

Der Samstag

8:00 Da mein Wecker werktags um 5:30 Uhr läutet, döse ich am Wochenende bis etwa 8:00 Uhr. Beim Aufwachen kann ich mich bisweilen an einen Traum erinnern. Aber es ist nicht ganz einfach, die Träume zu erklären. Die Erinnerungen verblassen schnell.

9:00 Mit dem E-Bike fahre ich zum nahe gelegenen Volg, wo die Bedienung noch sehr persönlich ist. Ich kaufe Brot und Milchprodukte ein, sowie einen Bund Radieschen; vielleicht muss auf der Poststelle noch etwas erledigt werden.

10:00 Meine Frau und ich geniessen ein ausgedehntes Frühstück (Brunch), mit Kaffee, Tee, Ei, Butter und Käse, Früchten, Joghurt usw. Die Grundlage bildet unser gutes Brot. Das sommerliche Wetter lädt uns zu einer Biketour ein.

11:00 Schon richten wir unsere Sieben Sachen für eine grössere Velotour mit unseren E-Bikes. Wir ziehen die Velohosen an und packen Bananen und Getränke ein. Bei schönstem Wetter fahren wir nach Freienstein an der Töss und folgen dem Fluss bis zur Einmündung in den Rhein, Tössegg genannt. Auf dem Elektrobike fühlen wir uns nie müde und schwitzen nur selten. An der romantischen Tössegg machen wir den ersten Halt, wir sitzen auf einer Holzbank am Rhein und geniessen die intakte Naturlandschaft. Die Umgebung erinnert an die Donauschlingen in Oberrösterreich: man sieht nur grünes Wasser und Wald von links bis rechts.

12:30 Wir radeln dem Rhein entlang abwärts über Eglisau nach Rheinsfelden, wo die Glatt in den Rhein mündet, ein weiterer Zürcher Fluss, der zum Radfahren einlädt. Mit 30 km haben wir bereits das halbe Tagespensum abgespult. Im Hotel Riverside(!) machen wir einen Mittagshalt und gönnen uns eine Leibspeise, obwohl die Banane eigentlich gereicht hätte. Wir haben nicht nur genug Kalorien zum Treten aufgenommen, auch der Akku hat noch genügend Energie, uns zu unterstützen.

14:00 Jetzt fahren wir 20 km Glatt-aufwärts. Die Strecke am Glattuferweg führt fast immer durchs Grüne. Es ist die Landschaft, die der Schriftsteller und Maler Gottfried Keller beschrieben hat. „Grüne Berge, schöner Fluss, fruchtbare Ebene“. In Niederglatt löschen wir unseren Durst in einem bekannten Café.

15:30 Via Flughafen geht’s dann nach Hause; falls nötig machen wir noch einen Zwischenstopp im Migros Kloten, um frische Früchte und Tomaten einzukaufen. Der Tageszähler zeigt jetzt 60 km, die Limite liegt für uns Senioren ungefähr bei 100 km; wir bevorzugen flache Routen entlang von Flüssen und Seen. Aber auch voralpine Routen sind dank Ersatzakku machbar.

E-Bike im Sommer

E-Bike

17:00 Es ist zu heiss, um auf unserem Gartensitzplatz zu verweilen, wir erholen uns im Innern des Hauses. Die Akkus müssen ans Stromnetz und frisch geladen werden für den nächsten Tag.

18:00 Meine Frau bereitet eine kalte spanische Tomatensuppe zu, wir essen zusammen im Wohnzimmer.

20:00 Nach der Tagesschau schalten wir unser iPad-Tablet ein, um abzuklären, ob unser Sohn evt. via Bildtelefon erreichbar ist (Skype). Wir haben Glück, meine Frau kann sich gut 30 Minuten mit ihm unterhalten. Es berührt, dass das Live-Bild des Menschen während der Kommunikation sichtbar ist. Fast ein magischer Moment!

21:00 Während meine Frau in der Küche steht und ein paar Vorbereitungen trifft für das Dreigangmenu von morgen Sonntag, nutze ich den Samstag Abend, um ein paar Webseiten für den Spitex-Verein zu aktualisieren. Typisch Wochenende: wir haben immer etwas zu werken.

Der Sonntag

8:30 Meine Frau und ich hören am Radio die Sendung Perspektiven, mit Beiträgen zu Religion, Lebensfragen, Glück und dem Tod. Nach der halbstündigen Sendung folgen häufig Bach-Kantaten, die wir beide sehr schätzen — fast ein Ritual am „heiligen“ Sonntag Vormittag. Die klassische Musik erinnert immer noch an den Sonntag im Internat.

9:30 An einer Tankstelle besorge ich frisches Brot und eine Sonntagszeitung, die ich nicht missen möchte. Der Inhalt ist ausser während der Sommerferien meist so reichhaltig, dass wir immer etwas Besonderes finden, z.B. einen Beitrag zum Fluglärm-Konflikt, zur Psychologie oder Gesundheit, Leserbriefe usw.

11:30 Nach dem obligaten Brunch besprechen wir das Tagesprogramm. Wir möchten nicht darauf verzichten, in Winterthur meine Mutter zu besuchen. Am Abend steht ein Besuch des jüngeren Sohnes mit seiner Freundin auf dem Programm.

14:00 Den Weg mit dem Fahrrad nach Winterthur kennen wir wie unsere Hosentaschen. Zuerst über das Plateau, dann an der ehemaligen Suppenfabrik von Maggi vorbei (manchmal duftet es nach Givaudan-Chemie), schliesslich durch das Aussenquartier in die Stadt. Teilweise folgen wir der Autobahn A1 oder der Schnellzugstrecke Zürich-Winterthur. Es ist ein glücklicher Zufall, dass meine Frau und ich sehr gerne Velo fahren. Meine Mutter freut sich immer, wenn wir bei ihr ankommen. Da sie alleine wohnt, hat sie immer viel zu erzählen. Wie geht es mit der Gesundheit? Wie geht es mit dem Hörgerät? Sie berichtet auch von ihren anderen Kindern, mit denen sie viel Kontakt pflegt. Sie ist immerhin schon über 90 Jahre alt, aber noch körperlich „zwäg“ wie wir auf Zürichdeutsch sagen. Ganz aufgeregt berichtet sie uns: „Ich habe etwas Verrücktes gemacht. Ich werde morgen zusammen mit meinem Enkel Jules zu meiner Tochter nach Kos fliegen – für drei Tage! Ich fliege ja gerne. Und wir werden bestimmt im Meer baden können.“ Wir ermuntern sie, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und die Badehosen nicht zu vergessen. Verkehrte Welt: Margrit bevorzugt im hohen Alter das Flugzeug, wir das Fahrrad.

17:00 Wieder zurück scheut meine Frau keinen Aufwand, um ein feines Abendessen für uns vier zuzubereiten, mit Vorspeise, einem zarten Braten, gegartem Gemüse und einem Dessert. Das Tiramisù wird nicht fixfertig gekauft, sondern ist natürlich selber gemacht und mit Früchten angereichert. Anna ist die perfekte und kreative Köchin.

18:00 Unser Besuch läutet an der Haustüre. Der jüngere Sohn und seine Freundin kommen sonntags gerne zum Abendessen. Manchmal trinken wir einen Schluck Wein dazu. Die Jungen essen gerne gesund und geniessen die Kochkünste meiner Frau. Vielleicht spielen wir noch mit den Schweizer Jasskarten; die Freundin ist sehr daran interessiert, diese Jasskarten kennen zu lernen. Sie kennt bereits die vier Farben. Wir erklären ihr, dass Schellen und Schilten doppelt zählen, dass man zuerst den Trumpf Buur ausspielt, usw. Und was ist ein Bock, was ist eine Wand? Wie im Leben hätte man auch beim Kartenspiel gerne vier Ass in der Hand.

21:00 Die Jungen haben sich wieder verabschiedet. Der Sonntag klingt aus mit etwas Country Musik am Schweizer Radio.

Link: Ein Arbeitstag.

Der Sommer geht zu Ende

Im Herbst ist jeweils Gartenarbeit angesagt. Wenn der Nebel kommt, ist es Zeit das Laub zusammenzurechen. Wir beginnen, die Sträucher zu schneiden: Bux, Flieder, Weinrebe, Kletterpflanzen, Buschklee, Bonsai, Eibe, Lorbeer usw. Unser Garten ist zwar bescheiden, trotzdem haben wir manchmal zu wenig Platz im Grün-Container, weil auch die Nachbarn ihre Gartenabfälle entsorgen möchten. Im Recycling sind die Schweizer Weltmeister. Glas, Zeitungen geschnürt, Karton, Textilien, Blechbüchsen, leere Batterien, alte Elektroapparate werden getrennt gesammelt, neuerdings noch Getränkebeutel. Auch solche Dinge müssen am Wochenende erledigt werden.

Ist der Sommer vorbei, dann sind wir vermehrt zu Fuss unterwegs. Im Winterhalbjahr müssen wir wegen der Temperaturen leider auf das geliebte E-Bike verzichten. Ob mit Fahrrad oder mit Auto ist es nur ein Katzensprung nach Winterthur oder Zürich. Ab und zu nehmen wir an einer kulturellen Veranstaltung in Winterthur, Zürich oder im Glattal teil. Das Angebot im Kanton Zürich ist riesig, vor allem die Konzerte während der Vorweihnachtszeit haben es uns angetan. Aber auch Ausstellungen (Patchwork, Picasso, Fotomuseum), Kinofilme (Rapunzel, Escape from Tibet), Ballett (Alice im Wunderland, Oliver Twist) oder ein Musical (in Zürich-Oerlikon) können uns begeistern. Winterzeit ist Lichtzeit. Wir haben in der Papeterie einen grossen Halbkarton bestellt und ich mache mich daran, ein neues Adventsfenster zu basteln, dieses Jahr wieder mit Rot- und Gelbtönen. Ein beleuchtetes Adventsfenster erinnert an die Blumen des Sommers und die farbigen Blätter im Oktober.

Beitrag: Ein Reisebericht (Sandkasten).
Beitrag: Velofahren (Sandkasten).

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