Kleine Reisebeschreibung

Eine Reisebeschreibung ist eine Art Tagebuch.

Der Winterstrom

Im Herbst haben wir eine dreitägige Flussfahrt zu den Weihnachtsmärkten im Elsass gebucht, um einmal Hotelferien auf dem Rheinschiff auszuprobieren. Das erste Mal. Mehr als das Meer bedeutet mir der Fluss: Thema der Romantik! Das Wasser fliesst und fliesst und zieht mich magisch mit, flussabwärts. Eine Flussfahrt war schon lange ein geheimer Traum, vergleichbar mit einer Fahrt durch Urwald oder Wüste. Ans Wetter haben wir dabei nicht gedacht, jedoch ans Galadiner und den Jahreswechsel.

Als wir am 29. Dezember den Zug nach Basel nehmen, schneit es sehr stark; das Thermometer ist auf -8 Grad gesunken. Eigentlich haben wir keine Lust auf die Schifffahrt. Aber wie das Leben so spielt müssen wir auf die Zähne beissen und wir betreten in Basel St. Johann den Terminal und das komfortable, 110-Meter lange Schiff, Edelweiss genannt. Alle Kabinen sind besetzt. Die Crew-Mitglieder verhalten sich sehr hilfsbereit und freundlich, angefangen vom niederländischen Kapitän über die deutschen Hotelmanager bis zu den vielen Angestellten aus Ungarn. Die Kabine hat es uns besonders angetan, eine topmoderne Klimaanlage (Heizung!) und vor allem die riesige Fensterfront mit Aussicht auf die romantische Winterlandschaft. Die schneebedeckten Uferpartien strahlen eine tiefe Ruhe aus. Wir sehen keine Menschen in der nebligen Landschaft.

Bis am nächsten Morgen um 4 Uhr liegt das Schiff noch in Basel, sodass wir am Abend ohne die geringste Störung einschlafen können. Wegen der ungewohnten Umgebung schlafen wir trotzdem nur oberflächlich. Als wir morgens nach 5 Uhr aufwachen, hören wir ein angenehm leises Kreischen: wir befinden uns bereits in der ersten Schleuse, die in unseren Ohren zu jammern scheint. Manchmal leuchtet ein Scheinwerfer aus der Dunkelheit. Nur langsam kommt das Tageslicht zurück, von der Sonne ist weit und breit nichts zu sehen. Die nächsten 12 Stunden bleiben wir unterwegs an Bord, wie im Traum fahren wir durch die geheimnisvolle Landschaft. Für einen Moment verstummen wir. Die Stille verleitet zum Meditieren …  Manchmal denke ich an die sibirischen Ströme, die alle ins Polarmeer fliessen: in der Dämmerung wird der Rhein plötzlich zur Lena, die schon lange zugefroren ist.

MS Edelweiss

Der Salon strahlt eine wohlige Wärme aus, das Essen lässt keine Wünsche offen. Als wir am Abend ins Kanalsystem von Strassburg einfahren, leuchten die Lichter der geschichtsträchtigen Stadt in der Dunkelheit. Das Schiff legt am Quai des Belges an, sodass wir die Gelegenheit benutzen, trotz Minustemperaturen ein paar Schritte an Land zu machen. Die Stadtrundfahrt am nächsten Vormittag (31. Dez.) zeigt eindrücklich, dass noch viele repräsentative Gebäude aus dem deutschen Kaiserreich stammen. Anschliessend spazieren wir durch die weihnächtliche Altstadt von Strassburg zum grossartigen Münster.

MS Edelweiss in Strassburg am 31.12.14

MS Edelweiss in Strassburg am 31.12.14

Wie im Leben geht es nicht nur talwärts. Schon gehts wieder an Bord, Leinen los, das Schiff fährt stromaufwärts nach Breisach am Rhein, wo wir über den Jahreswechsel liegen. In der dritten Nacht nimmt das Schiff um 5:30 Uhr die letzte Etappe in Angriff. Das Galadiner, der Jahreswechsel und die tolle Crewshow sind bereits Vergangenheit. Von Strassburg bis Basel überwinden wir in einer Richtung insgesamt neun Schleusen. Als wir um 12 Uhr in Basel anlegen, steigen wir im Wintermantel auf das Sonnendeck, um ein paar Sonnenstrahlen zu geniessen. Die Reise auf dem winterlichen Strom hat uns berührt.

Beitrag: Donau Velotour

Wiki: Lena (in Ostsibirien)

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